Dr.
Massimiliano Zanteschi
Die Jury des Preises PREMIO ANNALISA SCAFI 2004 (Italien)
Dr.
Massimiliano Zanteschi
(Vorwort zur italienischen Ausgabe des Dramas)
IM SCHATTEN DES VERSTANDES
Wenige Autoren sind fähig die Geschichte eines Volkes in kurzen
Abenteuer der ausgedachten Hauptfiguren zusammenzufassen. Noch
weniger sind die, die das schaffen können, als sich das Wort „Volk“
in die Wörter „Nation“ und „Ethnie“ verwandelte und als die historische
Erinnerung anscheinend in Verlust geraten ist.
Eben das erreicht Gunjaca in seiner Theaterstück „Im Schatten
des Verstandes“. Nicht nur, vielmehr. Er zeigt die durch den Krieg
gebrachte Zerstörung in Ex-Jugoslawien und gibt den Lesern und
Zuschauern die Möglichkeit die unmessbare Tragödie des balkanischen
Landes zum ersten Mal oder wieder zu erleben. Und doch mit einem
Lächeln auf dem Gesicht obwohl es fruchtbar aussieht.
Ja, mit einem Lächeln. Gunjaca erzählt über Ante und Husein mit
eigenartiger und hervorragender Ironie , mit komischen, dennoch
bitteren und grotesken Ausklänge, indem er die Handlung zur Sublimation
bringt, fast bis zur Ursprung aller Ereignisse, wo sich die Fiktion
wieder in Geschichte verwandelt. Es ist als ob die Hauptfigur,
der ausgedachte Held, die Ursprung des Menschen hervorruft.
In einem Grenzgebiet, nicht genau bestimmt, ist das Leben der
Hauptfiguren den verschiedenen Gefahren ausgesetzt. Doch das peinliche
Gefühl mangelnder Anpassungsfähigkeit, die Unangemessenheit, die
sie erleben müssen, ihre frustrierende Metamorphose, die Unbeweglichkeit,
zu welcher sie verurteilt sind und die ihnen vielleicht unausweichlich
in Richtung des verwirrenden Schicksals bewegt, lässt uns über
unser eigenes denken.

Die Jury des Preises PREMIO ANNALISA SCAFI 2004 (Italien)
“Im Schatten des Verstandes” von Drazan Gunjaca wurde ausgezeichnet für die grausame, doch menschliche Behandlung des Themas Konflikt, der die Völker und ihre verschiedenen Kulturen zerbrochen hat. Das Thema der Freundschaft, die im Widerstreit steht, ist schon bekannt. In diesem Text ist dieses Thema noch intensiver durch einen originalen und begabten Stil behandelt. Hinter dem Dialog verbirgt sich die Tradition, obwohl die moderne Sensibilität von der Sprache sowie von dem Thema her herauskommt. Dem Autor hat es gelungen, die Geschichte eines Landes wiederzugeben, obwohl die Handlung in finsteren Gefängnissen und der Kasernen stattfindet. Eine Freundschaft, die so tief ist, dass uns berührt, wird theatralisch und nie übertreiben gefühlvoll sondern immer scharf und klar gezeigt.
