--Es
sind ziemlich viele Jahre von den Ereignissen vergangen, die Sie
beschreiben. Wie groß sind die Wunden der Menschen?
Über die Nachkriegszeit und die Kriegsfolgen habe ich ausführlich
in meinem neuen Roman „LIEBE ALS STRAFE“ geschrieben. Die Größe
des Menschen zeigt sich im Vergeben, sonst gibt es kein Zusammenleben,
keine Toleranz und kein normales Leben. Einige Kriegswunden brauchen
eine lange Zeit. Sie sind so tief, dass sie Generationen und Generationen
nicht vergessen können. Übrigens sprechen darüber am besten die
Ereignisse bei diesem letzten Krieg bei uns, bei dem viele böse
Geister aus dem 2. Weltkrieg wachgerufen wurden. Deswegen muß
jeder wohlwollende Mensch alles hergeben, um diese Wunden zu lindern
und zu hoffen, dass diese Wunden irgendwann verheilen. Leider
gibt es viele, die aus verschiedenen Motiven ein Interesse haben,
dass diese Wunden immer weiter bluten und auf Kosten dieses Blutes
leben. Diese Kriegshyänen warten nur auf eine neue Gelegenheit.
Deswegen heilen diese Wunden noch schwerer und es ist fraglich,
ob einige jemals heilen werden. Es ist jedoch nicht das Ziel sie
zu vergessen, das kann man sowieso nicht, sondern verzeihen und
weiter machen. Wenigstens irgendwie den Hass zu vermindern, so
weit das möglich ist.
--Wie
ist die Situation der Literatur auf dem Balkan? Welche Rolle können
die Dichter in der aktuellen politischen Situation spielen?
Es wäre herrlich, wenn ich auf diese Frage etwas Positives antworten
könnte. Etwas Positives. Leider kann man, kurz gesagt, auf dem
Balkan nicht vom Schreiben leben, auch wenn man Nobelpreisträger
wäre. Besonders wenn man für nationalistische Inspirationen nicht
begnadet ist, wenn man eine Neigung zu Multikulturalität und Toleranz
hat. Das größte Unglück der Völker am Balkan besteht darin, dass
der Krieg und die niederschmetternde Nachkriegswirtschaft auch
die sogenannte Mittelschicht zum Verschwinden gebracht hat, also
die Schicht der Intellektuellen, die logischer Weise am meisten
lesen. In den Ländern, wo jeder Preis eines Buches zu hoch ist,
wo Professoren in Pension überlegen, wie sie das geringfügige
monatliche Mitgliedsgeld für die städtischen Bibliotheken bezahlen
(geschweige, dass sie Bücher kaufen können), kann man schwer vom
Einfluss der Literatur auf die aktuellen Ereignisse sprechen.
Hier wird die Öffentlichkeit von öffentlichen Medien geformt nach
dem Maßstab der augenblicklichen Machthaber, wenn man überhaupt
von einer Öffentlichkeit im westlichen Sinne sprechen kann. Eher
von einer manipulierten Masse, die großteils begriffen hat was
passiert ist, die aber in der Zwischenzeit verarmt, uninteressiert
und apathisch ist; es ist allgemein bekannt, dass der schlimmste
Zustand für jede Nation die Apathie ist. Auf der anderen Seite
wiederum, wenn wir alle schweigen, habe ich überhaupt Angst auch
nur daran zu denken, welche Ausmaße diese beängstigende Stille
bekäme, die versuchte diese Länder zu beherrschen.
--Warum
denken Sie, dass es wichtig ist, dass italienische Leser „Balkan-Roulette“
lesen?
Aus einem sehr einfachen aber für viele, die in die trügerische
Sicherheit ihrer Umgebung eingelullt sind, schwer zu begreifenden
Grund. Dichterisch gesagt ist nämlich das Balkan-Roulette nur
ein Teil des Welt-Roulettes. Ein herausgerissenes Bild aus dem
Weltmosaik, aus der gleichen Geschichte, die allen passierte,
die auch heute, egal wie unwahrscheinlich das auch für einige
klingen mag, jedem passieren kann. Die schlimmste Erkenntnis aus
dem Krieg ist nämlich die Erkenntnis, dass es keine Garantie für
einen dauerhaften Frieden in keiner Ecke dieses Planeten gibt,
sondern dass wir uns alle täglich für diesen Frieden einsetzen
müssen, damit die gleichen Sachen nicht wieder geschehen. Genauer
gesagt, damit morgen nicht jemand um Gottes Willen in die Lage
versetzt wird, ein italienisches, deutsches oder irgend ein anderes
Roulette zu schreiben, in dem nur die Namen geändert und der Inhalt
gleich bleiben wird. Leider ist das möglich. Überall gibt es Pyromanen,
die in verschiedenen entlegenen Bierstuben auf ihren Augenblick
warten. An uns liegt es, diese Möglichkeit zu verringern und zu
hoffen, dass dies nicht zutrifft bzw. wiederholt wird. Wir leben
schließlich in einer Welt, in der die Konflikte immer gewisser
sind und die Zukunft immer ungewisser, so dass das auch einer
der Gründe für dieses Schreiben ist.
--Im
Kontext des Gesprächs und der augenblicklichen aktuellen Situation
in der Welt drängt sich von selbst die Frage über den internationalen
Terrorismus und seine Folgen auf.
Der internationale Terrorismus stellt zweifellos das Krebsgeschwür
der heutigen Zivilisation dar. Auf der einen Seite trägt er zur
allgemeinen Unsicherheit bei, die nach der Logik der Dinge die
Lebensqualität verringert und auf der anderen Seite die Quelle
neuer kriegerischer Auseinandersetzungen ist. Bismarck sagte,
dass die Politik die Kunst des Möglichen sei. Natürlich ist es
nötig alles zu unternehmen, um diesen Terrorismus zu verhindern,
aber ebenfalls ist es notwendig alles zu unternehmen, und noch
mehr als das, damit der Terrorismus nicht zu neuen Kriegen führt.
Zwischen diesen zwei Extremen, die sich nur auf den ersten Blick
ausschließen und in der Realität ergänzen, ist die Politik beheimatet.
Und von ihrer Kunst hängt auch unsere Zukunft ab. Durch die Geschichte
und auch heute gab es und gibt es große Völker, aber ungenügend
große Politiker im positiven Sinne, jene mit einer Vision des
Guten für sich und die anderen. Man kann nicht den anderen etwas
Böses antun und erwarten, dass diese dir das mit Gutem erwidern.
Ich kann nur hoffen, dass man einen Modus findet den Terrorismus
ohne neue Kriege zu bekämpfen, denn in diesen Kriegen verunglücken
großenteils Unschuldige. Ein Opfer ist ein Opfer, gleichgültig
wie edel die Idee war, warum jemand zum Opfer wurde. Das Opfer
hinterläßt frustrierte Generationen, die morgen zu gleichen Mitteln
greifen, weil sie nur diese kennen und anerkennen. Ich muß zugeben,
dass ich nach meiner Erfahrung und Erkenntnissen Angst vor der
Zukunft habe.

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Alessandro
Ramberti, FARA EDITORE, Italien)
www.kaleidon.it
--Was
bewegte Sie und was bewegt Sie noch zum Schreiben?
Am einfachsten wäre es zu sagen, dass es sich um die Liebe zum
Schreiben handelt. Jedoch wie alles andere im Leben ist die Antwort
viel komplexer. Ich habe nämlich vor ungefähr 20 Jahren den ersten
Roman „AUF DEM HALBEN WEG ZUM HIMMEL“ geschreiben, dann ist das
Leben in eine andere Richtung gegangen. Bei der Arbeit, vorerst
als Offizier und danach als Rechtsanwalt, ging das Schreiben verloren
bei diesen alltäglichen Verpflichtungen, von denen es immer irgendwie
zu viele gibt und die der Mensch niemals selektioniert, sondern
sich ihnen unterordnet, bis ihn ein größeres Lebenserdbeben dazu
zwingt. In meinem Fall war es der Krieg, der in den 90-er in diesen
Gebieten wütete und wesentlich mein und das Leben der anderen
um mich kennzeichnete. Wie auch jeder andere Krieg, so hinterließ
auch dieser zahlreiche unbeantwortete Fragen und noch zahlreichere
Unsicherheiten und Zweifel, und ich mußte einfach etwas schreiben,
aus mir alles herauslassen, was mich aus diesem Krieg verfolgte.
So fing ich zu schreiben an.
Die Welt beherrschen nämlich Klischees, besonders wenn es um den
Balkan und die hiesigen Völker und ihre Beziehungen geht. Die
Menschen haben weder Zeit noch den Willen auf das Wesen der Probleme
der anderen einzugehen, besonders wenn diese Probleme weit von
ihrem Haus entfernt sind. Diese einfachen und schließlich ganz
schädlichen und falschen Zugänge zu hiesigen Völkern und ihren
Probleme sind größtenteils für die Ausmaße des Krieges zuständig
(obwohl der größte Teil der Verantwortung immer bei den un mittelbaren
Protagonisten liegt). Ich habe den Krieg mit den Angehörigen aller
Balkanvölker erlebt und musste einfach sagen was ich sagte, auch
diese andere, ansonsten aufmerksam versteckte Seite unserer Beziehungen
zeigen und sagen, dass auch hier ein Mensch lebte und auch heute
lebt, der diesen Krieg nicht wollte und somit nicht weniger weder
Kroate noch Serbe oder ein anderer ist, sondern viel mehr. Es
kommt einfach die Zeit, wenn der Mensch das sagen muss, was er
zu sagen hat um Mensch zu bleiben.
--Haben
Sie einen bestimmten Lesertyp im Sinne während Sie schreiben?
Nein.
Ich glaube, dass in meinen Büchern (besonders in meinen Romanen)
jeder einen Teil von sich und seiner Umgebung, auch dann wenn
er nicht aus diesen Gebieten stammt, finden kann. Es handelt sich
um universelle Fragen der Einstellung zum Krieg, zur Multikulturalität,
zum Nationalismus, zur (In)toleranz – also Fragen, die augenblicklich
viele auf diesem Planeten bedrücken. Der Balkan ist nur ein winziges
Mosaik aus dieser globalen Geschichte. Ich weiß, dass ich sicherlich
a priori für diejenigen unakzeptabel bin, die schon beim Erwähnen
der Toleranz die übrig gebliebenen Waffen aus einigen der vorherigen
Kriege suchen.
Nebenbei gesagt, ich bin immer erstaunt darüber, wenn ich mich
an meine vorkriegerischen Überlegungen über den möglichen Krieg
auf dem Balkan erinnere. Weder ich noch viele andere um mich herum
konnten diese Möglichkeit nicht einmal hypothetisch akzeptieren.
Und es ist passiert, auf einmal. Mit unglaublicher Leichtigkeit.
Der Krieg ist einfach entflammt. Als ob er all die Jahre geglost
hätte und nur darauf gewartet hätte, dass jemand diese Glut entfachte.
Wir waren uns dieser Glut nicht bewußt. Deswegen habe ich all
das geschrieben. Es gibt augenblicklich kein Land auf dieser Welt,
das diese Glut nicht hätte. Es ist nur eine Frage, wie viel davon
und ob sie überhaupt erkannt wird. Das ist die schrecklichste
Erkenntnis, die ich aus diesem Krieg ziehe. Das Bewußtsein, dass
es keinen garantierten Frieden nirgendwo auf der Welt gibt, wenn
wir uns nicht täglich für ihn einsetzen. Und besonders auf dem
Balkan, wo der Frieden nur eine Atempause bis zu einer neuen Runde
ist. Und die Kämpfer gehen nicht aus dem Ring. Sie sind auch heute
noch dort. Sie warten nur darauf, dass jemand auf den Gong schlägt.
--Wie
würden Sie Ihren eigenen Stil definieren?
Ich
schreibe über wirkliche Geschehnisse (und respektiere natürlich
die „dichterische Freiheit“), so dass der Wortschatz, den ich
benutze und die Art des Schreibens diese Wirklichkeit so ausmalen
wie sie wirklich war (wie ich sie sah). Deswegen ist der Stil
so wie er ist, irgendwie zwischen Naturalismus und Realismus.
Ich hätte vielleicht mehr eine andere Sprache, zum Beispiel eine
poetische benutzen können, aber ich denke, dass sie im Widerspruch
mit der Welt der Realität, die ich beschreibe, wäre. Und gerade
das wollte ich nicht. Irgendein steriles Werk schaffen, eines
wovon vielleicht zwei Kritiker begeistert wären – und was ist
mit den Lesern? Und für die hiesigen Zustände zeigt die ernorm
große Lesebereitschaft meiner Werke in allen Ländern Ex-Jugoslawiens,
dass ich den richtigen Zugang gewählt habe. Die Tatsache, dass
in Banja Luka (in Republika Srpska in Bosnien und Herzegowina)
als einziger mein Roman „DER PREIS DER HEIMAT“ (ursprünglicher
Titel „Abschied am Balkan“- Anmerkung der Übersetzer) von allen
Werken kroatischer Schriftsteller veröffentlicht wurde, sagt genug
darüber aus.
Ansonsten überwiegt bei meinem Schreiben der Dialog mit Ironie
und Groteske (auch in den Romanen), weil mir dieser Schreibstil
am nächsten liegt.
Und wie soll man heute schreiben, wenn die heutige Jugend ihre
Erkenntnisse über die großen literarischen Werke hauptsächlich
aus den Videotheken schöpft, unter der Bedingung, dass man aus
diesen Werken Filme gemacht hat.

_____________________________________
Valentina
A. Mmaka („STILOS“, Italien, 19.3.2003)
www.valentinammaka.net
--Sie
haben den Krieg in der ersten Person erlebt. Entstand Ihr literarisches
Engagement aus dieser Erfahrung?
Jeder, der den Krieg erlebt, wird auf eine gewisse Weise lebenslänglich
durch ihn gekennzeichnet, durch seine Schrecken, Grobheiten, Hoffnungslosigkeiten,
Machtlosigkeit und Leiden. Natürlich hat auch dieser Krieg in
mir eine tiefe Spur hinterlassen und hat mich auf eine Weise aus
der friedlichen Lethargie herausgerissen; der Position des Betrachters
von Nachrichten vor dem Fernseher, der sich jeden Abend ehrlich
darüber wundert, wie sich die Menschen so leicht untereinander
an einer entfernten Ecke des Planeten vernichten können. Dann
passiert das auf einmal dir, unerwarteter Weise, und dann irrst
du herum und fragst dich, ob das überhaupt möglich ist. Und schließlich
begreifst du nach den Kriegsjahren, dass es möglich ist, und was
noch niederschmetternder ist, dass das allen passieren kann. Irgendwo
und irgendwann. Ich habe den ersten Roman vor ungefähr 20 Jahren
geschrieben, dann habe ich aufgehört mit dem Schreiben. Das Leben
hat mich einfach in eine andere Richtung geführt. Am Ende führte
mich der Krieg zum geschriebenen Wort zurück. Ich konnte einfach
das Verschweigen einiger Wahrheiten und einiger Menschen, die
existierten und denen das passierte, nicht akzeptieren, egal wie
viel solche Erscheinungen „offiziell“ ignoriert wurden. Während
die kleinen und gewöhnlichen Menschen in Sarajewo oder in irgendeiner
anderen vom Krieg betroffenen Stadt sich die ganzen Nächte den
Kopf darüber zerbrachen, wie sie morgen Brot und Milch für ihre
Kinder beschaffen sollten und dabei am Leben bleiben, plagten
sich ihre großen Heeresführer und Politiker tage-, nächte- und
monatelang damit, wie dieses oder jenes Teilchen des bis vor kurzem
gemeinsamen Landes zu zerstückeln sei. In deren Namen natürlich.
Sie haben jedoch vergessen die kleinen gewöhnlichen Menschen zu
fragen, was sie denken. Ich schreibe darüber, was diese kleinen
Menschen dachten und denken.
--Auf
welche Weise beinflusst der Krieg unsere persönlichen Erinnerungen?
Der Krieg spiegelt sich auf verschiedene Weise wieder, abhängig
davon, ob sie sich persönlich an der Front befinden, oder ob sich
an der Front eine ihnen nahe Person aufhält, ob sie in unmittelbarer
Nähe der Front sind oder nicht, ob sie zu denjenigen gehören,
für die es gewiss ist, dass sie an die Front kommen oder nicht
...Zudem haben sie zahlreiche indirekte Kriegsfolgen, wie den
Zerfall von Mischehen, verlassene Kinder und alle anderen möglichen
Traumata. Ein Freund von mir, ein Psychiater, hat mir seinerzeit
gesagt, dass jeder von uns dem Stress ausgeliefert sei, allein
schon durch die Tatsache, dass man in einem Land lebt, das im
Kriegszustand ist und dass man täglich den Nachrichten über den
Krieg ausgeliefert sei, die gut oder schlecht, egal ob man gewinnt
oder verliert, immer Opfer fordert. Vor dem Krieg sollten sich
alle daran erinnern, dass auch für einen Sieg im Krieg genauso
Menschen als Opfer fallen wie für eine Niederlage. Sie können
sich einen fünfjährigen Zyklus (so lange dauerte dieser Krieg)
von Kriegsstress und seinen Folgen vorstellen, wenn sie sich nur
die Aufnahmen von verzweifelten Frauen amerikanischer Soldaten
anschauen, die in diesen Tagen ihre Männer auf dem Weg ins Ungewisse
begleiten. Und stellen sie sich dann solche fünf Jahre vor. Ich
verstehe diese Frauen. Stellen sie sich vor, dass sie über diesen
Krieg entscheiden ... Ob wir es wollen oder nicht, der Krieg setzt
uns Denk- und Verhaltensmuster vor, neue Prioritäten, das Umstellen
der Lebenswerte; das ganze Leben wird in eine Zwielichtzone geschoben,
aus der sie nicht herauskommen (um jetzt nicht noch das Thema
des posttraumatisches Stress, des sog. Vietnam-Syndroms, das heute
schon als kroatisches, serbisches, bosnisches, morgen vielleicht
als ein irakisches ... angenommen wird, anzugehen).
--Denken
Sie, dass Literatur jemanden zum Denken zwingen kann, sogar wenn
es sich um so ein schwerwiegendes Drama handelt, das es unmöglich
zu bekämpfen scheint?
Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Genauer gesagt, ich weiß nicht,
in welchem Maße sie das erreichen kann. Die Tatsache nämlich,
dass ich Tausende von Leserbriefen von allen Seiten Ex-Jugoslawiens
bekommen habe, die mich unterstützen, die mich auffordern, dass
ich in meinem Schreiben fortfahre (was oft nicht leicht und noch
weniger dankbar ist), weist darauf hin, dass es einen Einfluss
gibt. Auf der anderen Seite jedoch mache ich mir keine Illusionen
darüber, dass irgend ein literarisches oder ein anderes künstlerisches
Werk wesentlich solche Überlegungen beeiflussen können (ich sagte
vorhin, wir sind nur Sklaven und nicht die Herren des Krieges,
wir entscheiden nicht, auch wenn er für uns nicht annehmbar ist).
Auf der anderen Seite jedoch lohnt es sich das zu schreiben, auch
wenn dieses Schreiben nur eine kleine Zahl von Menschen ernsthaft
anregt über den Sinn des Krieges nachzudenken. Stellen sie sich
vor, wenn wir alle schwiegen und es nur den Pyromanen überließen
sich zu äußern. Wenn der Mensch schon an irgend etwas Unakzeptablem
teilnehmen muß (und oft ist dies der Fall, unabhängig vom eigenen
Willen), kann er wenigstens sein Unbehagen äußern – zeigen, dass
wenn man daran teilnehmen muß, dass man dann nicht auf seine Menschlichkeit
verzichtet hat.