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. Liebe als Strafe
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Einführung
- Notiz des Redakteurs

die AUSGABEN :
- Der Preis der Heimat
- Balkan-roulette
- Im Schatten des Verstande
- Liebe als Strafe
- Auf Halbem Wege zum Himmel
- Wenn es mich nicht mehr gibt
- Gute Nacht , Freunde!
- Alle Menschen sind brüder
- Träume haben keinen Preis
Balkan-Aquarell

 

 

 

Ein Jahr nach der Veröffentlichung seines ersten Buches, des Romans „Preis der Heimat", des mittleren Teils einer Trilogie über die Vor-, Kriegs- und Nachkriegsjahre, stellt sich Dražan Gunjaèa seinem Lesepublikum mit seinem zweiten Roman „Liebe als Strafe", dem dritten Teil der angekündigten Trilogie, vor.
Wie auch in seinem ersten Roman, der eine internationale Rezeption erfuhr, die sich nicht einmal der Autor selbst erhofft hatte, setzt Gunjaèa auch in diesem die Artikulation einer textuellen Welt fort, die in den allem Anschein nach chaotischen zwei Jahrzehnten unserer neueren Geschichte die versteckten Verstrickungen der geschichtlichen Determiniertheit kleiner menschlicher Schicksale sucht. Deswegen verwundert es nicht, dass sich in dem zweiten Roman fast alle Kompositionsprinzipien des ersten wiederholen, neben einigen bedeutenden Entwicklungen in der Behandlung der Romanstruktur.
Wenn wir den ersten Roman als Parabel über die Sinnlosigkeit des Krieges bezeichneten, dann könnten wir diesen zweiten als einen Roman derart definieren, dass der Krieg durch seine unauslöschbar langfristigen Folgen auf das Schicksal und das Bewußtsein der Menschen betrachtet wird: sogar auch dann, wenn das Bewußtsein über die direkten und indirekten gesellschaftlichen, sozio-psychologischen und persönlichen und existentiellen Folgen des Kriegs verbleicht, setzt sich der Krieg durch die Folgen, die er verusachte und weiter im Leben der Menschen verursacht, fort. Das also ist die intellektuelle Aussage, auf der Gunjaèa seine erzählende Struktur des Romans „Liebe als Strafe" aufbaut, ohne dabei auf die grundlegenden Merkmale seines erzählerischen Stils zu verzichten: Seine Sprache ist herb, manchmal sogar auf grobe Weise direkt, wenn er Wahrheiten sagt, die wir uns sonst auszusprechen scheuen, seine Gestalten sind minimalistisch auf reine Handlungen angelegt, die Handlung entwickelt sich größtenteils durch Dialoge, bei denen sich kausal-konsequente Beziehungen unter den Gestalten ergeben, ein Netz von Verhältnissen, das nicht zulässt, dass sich der Text auflöst.
Da es aber die Struktur verlangt, sind in dem zweiten Roman wesentliche Entwicklungen in einigen Elementen der Erzählweise zu bemerken. Aus Platzmangel führe ich nur diejenigen an, die meines Erachtens hinsichtlich der Verfahrensweise am bezeichnendsten sind. Erstens ist das feinere psychologisch charakterbezogene Profilieren der Gestalten hervorzuheben. Während in dem ersten Roman die Gestalten typenmäßig sind, Typen ähnlich der Commedia dell`Arte, denn nur so konnten sie in der Welt, von der erzählt wird, funktionieren, sind diese Gestalten in dem Roman „Liebe als Strafe" aus dem gleichen Grund notwendigerweise reliefartiger geworden, da sie nicht mehr eine Metapher der verschiedenen Entscheidungen im Augenblick der historischen Wendepunkte darstellen, sondern persönliche Wege, die daraus folgen.

Dies zwang Gunjaèa tiefer in ihr Inneres und in ihre Umwelt einzudringen, sich auf ihre Motive, Hoffnungen und Illusionen zu konzentrieren. Dieser neue Zugang zu den Gestalten bedingte auch ein anderes Erleben der Bedeutung der zu beschreibenden Elemente, vor allem im Sinne des umgebenden Kontextes, auf den die Gestalten einwirken und der sie bestimmt, obwohl diese Elemente auch weiterhin mehr implizit als explizit anwesend sind. Mit anderen Worten, die Stimmung ist in dem zweiten Roman viel weniger bedrückend und finster als in dem ersten, weitestgehend das Ergebnis, das aus der Ganzheit des Textes hervorgeht und nicht aus spezifischen textuellen Strategien. Gleichzeitig ist aber auch ersichtlich, dass in „Liebe als Strafe" Gunjaèa der Stimmung aus dem Textzusammenhang eine besondere Aufmerksamkeit widmete, da sie ein außergewöhnlich wichtiges funktionelles Element der Zusammensetzung der textuellen Welt ist. In diesem Sinne erscheint mir das Verhältnis zwischen den Dialogen und Erzählteilen des Textes besonders wichtig. Obwohl aus den minimalistschen Kompositionsverfahren des Autors selbst eine dominante Rolle der Dialoge gegenüber den Erzählteilen hervorgeht, was am besten im letzten Kapitel des ersten Romans zu beobachten ist, in dem das Gerichtsverfahren die Rolle der Erzählung übernahm, ist im Roman „Liebe als Strafe" die Ausgeglichenheit dieser zwei Elemente sichtbar, die als Ergebnis eine Art latenter Gedankeninkongruenz, eine Diskrepanz hat, durch die Gunjaèa eine „Borderline" vergegenständlicht, ein Erlebnis der Realität, bei der Tragik und Pessimismus den Platz dem Fatalismus überlassen, für den man - paradoxerweise - sagen könnte, er sei optimistisch.
Obwohl der Autor selbst, wenn man über sein Werk spricht, gerne sagt, dass alles, was die Rezipienten herauslesen, nur ein Zusammentreffen von Umständen sei, bin ich der Meinung, dass dies durch das „Anfänger" low-profile - Erlebnis der eigenen literarischen Arbeit bedingt ist, während es sich in Wirklichkeit um ein bis in alle Einzelheiten durchdachtes und überlegtes schöpferisches Verfahren handelt, deren Abgerundetheit ganz klar sein wird, wenn schließlich auch der dritte Teil der Trilogie veröffentlicht ist. Ich glaube, dass die Leserschaft auch ohne Rücksicht darauf „Liebe als Strafe" als interessante Lektüre erkennen und den Roman genauso gut wie seinen Vorgänger, „Der Preis der Heimat", annehmen wird.
Mr.sc. Srða Orbaniæ

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