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. Wenn es mich nicht mehr gibt
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Notiz des Redakteurs

die AUSGABEN :
- Der Preis der Heimat
- Balkan-roulette
- Im Schatten des Verstande
- Liebe als Strafe
- Auf Halbem Wege zum Himmel
- Wenn es mich nicht mehr gibt
- Gute Nacht , Freunde!
- Alle Menschen sind brüder
- Träume haben keinen Preis
Balkan-Aquarell

 

 

Nach dem aussergewöhnlich erfolgreichen Erzähldebut (gerade erschien die zweite Auflage des Romans „Preis der Heimat“, der am internationalen Litraturwettbewerb Premio Satyagraha ausgzeichnet wurde), hat sich Dražan Gunjaèa sein erstes lyrisches Werk verfasst, die Gedichtsammlung „Wenn es mich nicht mehr gibt“, die man in einem gewissen Sinne als einen Zweig des Romans selbst bezeichnen kann, und zwar nicht nur deswegen, weil das Gedicht nach dem die Sammlung ihren Titel trägt, ein wichtiges und bestimmendes Element des Romans ist, sondern auch, weil sich Gunjaèa in seinen Gedichten auf eine andere Weise mit gleichen Lebenswahrheiten und Fragen beschäftigt.

Von allein drängt sich mir der Gedanke auf, dass der Autor mit diesem zweiten Buch eine meta-theoretische Überlegung postmodernistischer Postulate „der Offenheit des Werkes“, der Intetextualität und des Selbtzitierens begonnen hat, das, wie ich glaube, mit der Herausgabe der weiteren beiden Teile der Trilogie, deren mittlerer Teil „Preis der Heimat“ ist, bis zum Ende abgeschlossen sein wird. Es handelt sich um eine wesentliche und bezeichnende qualitative Entwicklung in Gunjaèas Verständnis von sich selbst als Autor, da der Übergang des „Schreibens für sich selbst“ zum „Schreiben für ein Publikum“, des Übergangs seines Schreibens aus der Privatsphäre in die Sphäre des Öffentlichen, augenscheinlich ist. Dementsprechend hat das, nicht was die Tragweite der Sammlung betrifft – die wie sonst üblich von der Rezeption im Leserpublikum abhängt, in der Entwicklung von Gunjaèas literarischem Schaffen eine außergewöhnlich wichtige Rolle.

Und jetzt konkreter zur Gedichtsammlung. Obwohl sie der Autor in zwei Zyklen geteilt hat, sind die Gedichte in der Sammlung inhaltlich und stilistisch ausgeglichen und bilden einen Mikrokosmos, in dem die Unverfälschtheit des Menschen in einem ständigen Aufeinanderstoßen mit der prosaischen Umgebung steht, in der der Mensch existiert. Es handelt sich um ein dynamisches bipolares Verhältnis, das sich in Gunjaèas Dichtung in der Distanz zur klassischen poetischen Nominalisierung und in der Tendenz zur prädikativen Funktion des Verbs äußert. Diese Verbalisierung ermöglicht dem Dichter das Anwenden rhetorischer Muster und Formen, die ihr Modell in den volkshaften und überlieferten literarischen Formen haben. Die Folge ist die Wiederholung rhythmischer Muster, die die Möglichkeit der Interpretation, des interpretativen subjektiven Lesens verhindern und zur Objektivität der Deklamierung neigen. Gedichte, in denen es zur Unterbrechung dieser Muster kommt, stellen eine Art intellektuell emotiver Pause dar, womit Gunjaèa die rhetorischen Schwingungen der Sammlung erreicht, die auf der Ebene des Ausdrucks die thematisierte Bipolarität impliziert. Zum Zweck des ständigen Ausgleichs zwischen dem unverfälschten Pathos und dem Prosaischen wählt der Autor gekonnt die Lexik, diese Wahl ist sehr oft selbstironisch, so dass es beim Leser Zweifel hervorruft, ob ein derartiges „low-profile“, das fast umgangssprachliche Register, absichtlich oder unabsichtlich ist. Es handelt sich um eine sehr interessante laienhafte Komponente der Dichtung des Autors: als ob Gunjaèa versuchte dem Leser zu erklären, dass die einzige ernsthafte Sache, die er als Dichter machen könnte, die sei, sich selbst und sein Schaffen nicht allzu ernst zu nehmen.
Ist aber nicht gerade diese scheinbare Demystifizierung des eigenen Schaffens seine größte mögliche Mystifizierung?

Mr.sc. Srða Orbaniæ

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