Der
vorliegende Roman ist die Fortsetzung des Romans "Auf halbem
Wege zum Himmel", den ich vor zwanzig Jahren geschrieben
habe. Er handelt mehr oder weniger von denselben Personen, die
damals in einer anderen Zeit und in einem anderen Umfeld gelebt
haben, in einem anderen Staat, der zu bestehen aufgehört hat.
Er bezieht sich auf den Zeitraum zwischen den Jahren 1978 und
1983. Ich habe ihn nie veröffentlicht, obwohl ich es gekonnt hätte
und mich auch der Versuchung ausgesetzt sah, es zu tun. Aber aus
persönlichen Gründen entschied ich mich dagegen. Der Roman "Abschied
am Balkan" ist im Grunde genommen der zweite Teil des erwähnten
Romans "Auf halbem Wege zum Himmel".
Nach zwanzig Jahren, genauer gesagt am 3. Juni 2001, las ich die
Nachricht, dass der weltbekannte Schauspieler Anthony Quinn verstorben
sei. Dabei erinnerte ich mich seiner unvergesslichen Rolle im
Film "Alexis Zorbas", entsann mich der ganzen Tragik,
die sich durch diesen Film hinzog und begann, diesen Roman zu
schreiben. Warum dies so geschah, überlasse ich der persönlichen
Beurteilung des Lesers.
Dieser Roman hat nur zehn Kapitel. Er hätte, was das Material
zum Schreiben anbelangt, auch dreißig Kapitel haben können. Es
schien mir aber, dass ich alles, was ich sagen wollte, in diesen
zehn Kapiteln geschrieben habe. Alles andere bzw. darüber Hinausgehende
wäre nur eine Wiederholung ähnlicher, bereits beschriebener Schicksale
gewesen. Der Roman befasst sich mit der Zeit des Krieges von 1991
bis 1994 und mit den Schicksalen des kleinen, sogenannten "gewöhnlichen"
Menschen in diesen turbulenten Zeiten auf dem Balkan, wobei er
versucht, von der Politik "abzurücken", so weit dies
unter den gegebenen Umständen möglich ist. Es ist die Geschichte
über die Folgen dieses Krieges für "meine Helden". Über
die Ursachen und anderen Umstände, die mit diesem Krieg verbunden
waren, mögen andere schreiben, die dazu berufener sind als ich
es bin.
Ich werde auch noch einen dritten Teil schreiben. Jenen, der den
Zeitraum von 1995 bis 2001 und dieselben Personen in der Nachkriegsperiode
beschreibt. Ich weiß nicht, wann dies der Fall sein wird, vielleicht
bald, vielleicht aber auch erst in zwanzig Jahren - insofern ich
diese noch erlebe. Ich bin mir auch nicht sicher, ob außer diesem
Roman jemals etwas veröffentlicht werden wird. Nun, wir werden
ja sehen.
Zum Schluss danke ich allen, welche die Grundlage der Geschehnisse
dieses Romans bildeten, insbesondere meinem Freund Luka, ohne
den das fünfte Kapitel nicht das geworden wäre, was es ist. Und
mögen all jene, die ich gekannt habe und die nicht mehr unter
uns weilen, in Frieden ruhen, wo immer sie auch begraben sind.
Sie sind es, derentwegen ich aufrichtig an jenes zweite Leben
glaube, in welcher Form auch immer, da sie es verdient haben.
Zuletzt
hoffe ich, dass, falls jemand in diesem Roman auch einen kleinen
Teil seiner selbst, seiner Vergangenheit oder der Vergangenheit
einer ihm nahe stehenden Person wieder findet oder sich aus irgendeinem
Grund mit einer der handelnden Personen identifiziert, dies ein
guter Grund für ihn sein möge, diesen Roman noch einmal durchzulesen
und über alles nachzudenken, was in diesem Lande geschehen ist.
Möge sich - falls es einen Gott gibt - alles hier Beschriebene
nicht wiederholen. Zumindest nicht zu unseren Lebzeiten und nicht
zu jenen der uns nahe stehenden Menschen. Dies ist mein einziger
und aufrichtiger Wunsch!
Der
Autor
Pula, im August 2001
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EIN
JAHR DANACH....
Was soll man über den Roman sagen nach weniger als einem Jahr
nach der Veröffentlichung und somit teilweise auch über den Balkan
damit es nicht prätentiös oder pathetisch klingt. Was halten Sie
von einem Ort, wo Sie mit einer Hymne zur Welt kommen, mit einer
anderen leben und nur Gott weiß, mit welcher sterben,. wo zahlreiche
geschichtliche Wahrheiten, noch zahlreichere lebendige Mythen
und aktuelle Irrtümer, die keiner mehr zählt, bis zum Absurden
ineinander verflochten werden... Es ist schwer darauf sinnvoll
zu antworten und noch schwieriger in so einem Umfeld ein humanes
Leben zu gestalten, das des Menschen und der Zeit, in der wir
leben würdig wäre. Und wiederum haben diejenigen, die dazu verurteilt
wurden auf diesem Gebiet zu leben keine Alternative, oder, wenn
das so ist...
Was
soll man noch sagen, vielleicht das gleiche, was ich bei der Preisverleihung
des Internationalen Literaturwettbewerbs SATYAGRAHA“ sagte, das
in Italien - in Riccione zum Thema Frieden am 18. Mai 2002 statt
fand.
Dass
dieser Roman ein kleiner Versuch ist ironisch und grotesk darauf
hinzuweisen, dass jeder Krieg das Böse an sich und die Kriege
am Balkan, aus historischen und anderen Gründen das mehrfach Böse
darstellen. Dass auch hier Menschen lebten und immer noch leben,
die gleich sind wie die Menschen in anderen Ländern, die Gott
vor Kriegen verschonte, die letztendlich genauso leben möchten
wie die anderen, nur soll ihnen dafür eine Chance gegeben werden.
Dieser
Roman ist ein Teil eines zerschlagenen Mosaiks, das in der ganzen
Welt verstreut wurde. Allen kann das geschehen, was den Völkern
auf diesen Gebieten geschah. Ich lebte auch vor dem Krieg hier
und hätte mir damals jemand gesagt, was passieren würde, hätte
ich genauso, wie die meisten Menschen in ganz Europa und in der
restlichen freien Welt reagiert, wenn ihnen jemand gesagt hätte,
dass dies morgen gerade ihnen und in ihrem Land passieren wird.
Das wäre für sie absurd. Und es ist absurd. Aber leider geschieht
es. Und es kann jedem geschehen, unabhängig davon, wie groß die
Sicherheit und sorgenfrei der Alltag ist, der einen umgibt. Deswegen
soll man ständig an das Ungeheuer der Kriegsschrecken erinnern,
man darf sie, auch wenn sie begraben sind, nicht unterschätzen,
weil ihnen auch die geringste Unachtsamkeit und Nachlässigkeit
genügen, um wieder zu Ungeheuern zu werden und über unsere Leben
zu herrschen, so schlafen wir mit ihnen ein, voller Angst vor
dem, was uns der neue Tag bringt. Das ist kein Leben sondern das
Warten auf sein Ende. Keiner hat einen einzigen Tag eines solchen
Lebens verdient und erst recht nicht jahrelang, die Kinder am
wenigsten, unsere oder ihre, egal welche. Wenn den Machthabern
unsere Leben gleichgültig sind, sollten sie an die Zukunft der
unschuldigen Lebewesen denken, die erst auf die Welt kamen, mit
Gottes Willen, in einer Ecke dieses Planeten im Augenblick, wenn
der Rest der Welt flieht.
Dieser
Roman ist auch mein Versuch zu sagen, dass es im Krieg wichtiger
ist ein Mensch zu bleiben als ihn zu überleben. Und oft ist es
viel leichter zu überleben als Mensch zu bleiben.
Ich
möchte dem noch etwas hinzufügen, was ich in Italien nicht gesagt
habe. Jede Tragödie hat ihren Vornamen und Namen, so sollen sie
auch behandelt werden und in Gedächtnis bleiben und nicht absichtlich
unter den Teppich dieser oder jener nationalen Interessen gekehrt
werden, wo sie nach der elementaren Logik der Sache nur zu Zahlen
werden, die nur für den politischen Streit und eine demagogische
Täuschung des Volkes von Bedeutung sind, dem dieses und solche
Pakete der Ideale im Augenblick geboten werden. Das ist die einzige
Art, dass ein Einzelner wirklich wertvoller als der Staat wird
und nicht nur ein leeres Zeichen auf einem Blatt Papier in unterschiedlichen
Institutionen, zahlreichen Deklarationen, über diese oder jene
nicht erfüllten Rechte...denn solange wir nur Zahlen der Statistik
sind, existieren wir nur des Staates wegen und nicht er unseretwegen,
unabhängig davon, wie er ist.
Einige
Worte über den Schreibstil. Ich habe versucht, die Wirklichkeit
aus diesen rohen Zeiten wiederzugeben, so wie sie war, ohne sie
zu verschönern. Ich wollte kein steriles Werk schaffen und versuchte
dem Leser das wahre Bild der Geschehnisse zu zeigen. Natürlich,
so wie ich es gesehen habe. Letztendlich schrieb ich über den
Krieg und die damit verbundenen Ereignisse, nicht über ein akademisches
Seminar zum Thema Krieg, so dass auch der Roman so sein musste
wie er ist. Deswegen empfehle ich denjenigen, die über den Krieg
und die damit verbundenen Ereignisse nicht wie über eine Realität
nachdenken wollen, diesen Roman nicht zu lesen. Natürlich ist
der Roman reich an Bizarrem wie es auch im Leben ist, das neben
der ganzen Tragik, die eine Konstante dieses Kriegs ist, einen
zum Lachen bringen, obwohl auch mit einem bitteren Nachgeschmack.
Ganz gleich wie grotesk und ironisch das ist. Wenn man den Sinn
für Humor verliert, sei es auch nur der Galgenhumor, wenn sein
Geist zerstört wird, dann ist man am Ende, dann ist man gleichgültig.
Im Roman habe ich gerade solchen Situationen eine besondere Aufmerksamkeit
gewidmet, indem ich es so auszudrücken versuchte, dass auch an
der Front und um sie herum nur gewöhnliche Menschen sind mit all
ihren Tugenden und Fehlern, nicht nur Helden und Kriegsverbrecher,
wie uns das gern serviert wird. Die letzten sind nur eine Ausnahme,
die die Regel bestätigen.
Am
Ende möchte ich den Roman- Rezensenten paraphrasieren, Prof. Dr.Josip
Bratulic – falls auch nur einige nach dem Lesen des Romans den
Bedarf verspüren rücksichtsvoll zueinander zu sein, wurde sein
Ziel erreicht.
Pula, Juni 2002
Autor